Natürlich schmeichelt es meinem Ego, dass ich mich in der dritten Runde des Toastmaster-Wettbewerbes „Humorvolle Rede (deutsch)“ gegen meine hochkarätigen Mitbewerber durchsetzen konnte. Aus professioneller Sicht bestätigt sich aber für mich auch, dass in einem erfolgreichen Auftritt viel Arbeit steckt.

In zwei vorhergehenden Anläufen im Herbst 2014 und im Frühjahr 2015 hatte ich die Trophäe knapp verfehlt. Diesmal endlich fanden das konsequente Ausarbeiten und Proben meines sechseinhalbminütigen Redebeitrages ihre Würdigung vor den gestrengen wie wachsamen Augen und Ohren des Toastmasters-Richtergremiums.

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Den Live-Mitschnitt finden Sie hier.

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Thema suchen

Eine humorvolle Rede? Gar nicht so einfach. Zwar half mir hier meine Erfahrung auf Berliner Lesebühnen sowie mit einer eigenen Kleinkunst-Veranstaltungsreihe. Doch in einem Redewettbewerb geht es nicht nur darum, das Publikum zu unterhalten, sondern auch um eine Botschaft, ein Anliegen. Was will ich mit dem sagen, womit ich euch, liebes Puzblikum zum Lachen bringe?

Die Themensuche ist für mich immer mit dem Verfolgen und Verwerfen von Ideen verbunden. Sieben Minuten sind nicht viel Zeit, um eine Sache so auf den Punkt zu bringen, dass noch Raum für Pointen ist. Ich fand die richtige Geschichte schließlich in meiner persönlichen Erfahrung mit Menschen, deren Verhalten mich ärgert. Was einen ärgert, macht meistens eine gute Geschichte.

Schreiben

Das Finden des ersten Satzes, der die Zuhörerin/den Zuhörer in eine Situation einführt, in die sie/er sich, weil vertraut, hineindenken kann. Die Konfrontation mit Beate und Horst, die sich bei ihrem ersten Besuch in unserer neuen Wohnung naserünpfend über dieselbe äußern. Die Eskalation. Schließlich ein Exkurs über meine Haltung zu asiatisch georägter Einrichtungskultur und ihre Vermarktung in der deutschsprachigen Ratgeberliteratur. Dann der Schluss mit einer abschließenden Pointe und Begriffserklärung.

Der Text war bei mir auf sechseinhalb Minuten Vortragslänge angelegt, um deutlich unter der Redezeit des Wettbewerbs zu bleiben. Wessen Rede das Limit von sieben Minuten und dreißig Sekunden überschreitet, der wird unnachsichtig disqualifiziert. Und Ich wollte schließlich noch Raum für Lacher und Zwischenapplaus lassen.

Üben, üben, üben!

Ein guter Text ist die halbe Miete, nicht die ganze. Er muss gut laufen, gut zu sprechen sein. Eine Schimpftirade muss klingen wie eine Schimpftirade, nicht wie ein Traktat. Die eigene Verblüffung in einer dargestellten Situation muss sich in der Stimme ebenso ausdrücken wie in den Worten. Die Körpersprache muss sitzen. Die Pausen sind notwendig, um das, was man sagt, wirken zu lassen. Das Tempo muss steigen, wenn man wütend ist, und langsamer werden, wenn man nachdenklich ist.

Diie Reaktion des Publikums auf meine Rede gab mir ein gutes Gefühl. Doch Gewissheit über mein Abschneiden hattte ich erst, als ich aus den  Händen der Wettbewerbsleiterin meine Urkunde und den Pokal entgegennahm.

Danke allen, die mitgewirkt haben: den überaus engagierten Organisatoren, allen Unterstützern, meinen erfrischenden Mitbewerberinnen und Mitbewerbern und einem sehr aufmerksamen und begeisterungsfähigen Publikum!

 

 

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