Haben Sie auch manchmal solche Gedanken, wenn Sie vor einer Gruppe sprechen sollen – „Mein Vortrag wird beim Publikum auf Ablehnung stoßen, was ich zu sagen habe, wird das Publikum nicht interessieren“?


Die Denkfalle in solchen Situationen besteht darin, dass wir unbewusst so tun, als seien unsere Zuhörer eine einzige Person. Und auf diese imaginäre Person projizieren wir munter all unsere eigenen verinnerlichten Versagensängste.
Was kann man tun, um eine solche Verallgemeinerung und damit das „Feindbild Publikum“ aufzulösen?


Geben Sie ihren Zuhörern ein Gesicht – besser gesagt, verschiedene Gesichter.


Machen Sie zuhause ein kleines Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf der Bühne und bemerken, dass sich unter Ihren Zuhörern drei Personen befinden, die Sie kennen: Freunde, Kollegen, Personen des öffentlichen Lebens oder solche, denen Sie in der Vergangenheit begegnet sind. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf: Es kann sich um einen oder beide Elternteile, Ihre frühere Klassenlehrerin, um einen Vorgesetzten, um Beziehungspartner, Ihre Zahnärztin, eine bekannte Schauspielerin, einen Politiker oder Ihren Kontaktbereichsbeamten handeln.


Der Kritiker


In der dritten Reihe hat jemand Platz genommen, dessen Gegenwart in Ihnen äußerst unangenehme Gefühle hervorruft, wie Peinlichkeit oder die Angst zu versagen.


Die indifferente Person


In der zweiten Reihe sitzt eine Person, die bei Ihnen zwiespältige Gefühle auslöst, die also auf Sie teilweise motivierend, aber auch ängstigend wirkt.


Der wohlwollende Zuschauer


In der ersten Reihe sitzt jemand, dessen Anwesenheit Sie als angenehm und motivierend empfinden.

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Seien Sie beweglich!


Wenn Ihnen die einzelnen Personen innerlich präsent sind, konzentrieren Sie sich in Gedanken nacheinander auf sie. Lassen Sie sich dabei ausreichend Zeit und nehmen Sie Unterschiede wahr. Achten Sie auf die Empfindungen, die in Ihnen hervorgerufen werden. Diese Übung können Sie gut im Stehen und mit geschlossenen Augen machen.


Erweiterung


Sie können in den einzelnen Reihen weitere Ihnen bekannte Personen Platz nehmen lassen. Wie geht es Ihnen, wenn Sie sich abwechselnd auf die einzelnen Reihen konzentrieren? Schaffen Sie es auch, die Reihe der „Wohlwollenden, Motivierenden“ in den Fokus zu nehmen und die Reihe der „Kritiker“ auszublenden? Gestalten Sie das Ganze so, dass es für Sie nicht unerträglich wird! Bleiben Sie innerlich beweglich!
Wenn Sie wollen, schreiben Sie auf, was Sie innerlich erleben, wenn Sie sich auf die einzelnen Reihen konzentrieren.

Mit dieser kleinen Übung machen Sie sich bewusst, dass  das Publikum keine amorphe Masse ist, sondern eine Vielzahl einzelner Menschen. So können Sie bei Ihrem nächsten Auftritt Ihre Aufmerksamkeit gezielt auf diejenigen richten, die Ihnen wohlgesonnen sind.

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