Der Anfang entscheidet, ob sie Ihr Publikum erreichen oder nicht.

Wie bereiten Sie Ihre Bühne, wenn Sie vor einer Gruppe sprechen? Fangen Sie hastig an zu reden, damit Sie nicht unnötig Zeit verlieren und das Ganze schnell hinter sich haben?

Oder beginnen Sie Ihre Rede mit zehn bis fünfzehn Sekunden Schweigen, bis Sie sicher sind, dass Ihnen das Publikum seine Aufmerksamkeit schenkt?

Ich empfehle eindeutig Variante zwei. Um vor einer Gruppe zu sprechen, benötigen Sie die Aufmerksamkeit der Gruppe – und zwar von Anfang an. Ausflüchte wie: „Die Leute werden schon zuhören, wenn sie merken, dass ich angefangen habe zu sprechen“ gelten nicht. Wenn Sie Ihre Rede mit einem prägnanten Einleitungssatz oder einer Anekdote beginnen – und das sollten Sie -, so erzielt dieses Stilmittel nur seine Wirkung, wenn es wahrgenommen wird.

Viele Menschen befürchten, dass sie die Geduld ihrer Zuhörer durch Pausen zu sehr beanspruchen. Fragen Sie sich mal selbst: Stört es Sie, wenn erst abgewartet wird, dass Ruhe im Saal ist, bevor das Konzert beginnt, oder erhöht nicht genau das Ihre gespannte Erwartung dessen, was da gleich kommt? Was wäre der Elfmeter ohne die sich in die Länge dehnenden Sekunden davor, die beobachtbare Anspannung bei Schütze und Torwart? Der Italo-Western-Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ beginnt mit einer ausführlichen Sequenz, in der drei Bösewichter am Bahnhof auf das Eintreffen von Charles Bronson warten. Jedes Detail – der stete Wassertropfen auf der Hutkrempe, die umherschwirrende Fliege – wird ausgemalt. Die künstlerische Dehnung des scheinbar nichtssagenden Geschehens dient nicht der Würdigung der letzten Lebensminuten der Filmbösewichter – sie dient dazu, die Spannung beim Zuschauer zu erhöhen.

Auch wenn Ihr Publikum von Ihnen keinen Leinwand-Showdown erwartet, sondern die Präsentation der Quartalszahlen oder eines Projektes, können Sie sich das dramaturgische Mittel der bewusst eingesetzten Pause zunutze machen.

Bereiten Sie Ihren Vortrag nicht nur inhaltlich vor. Bereiten Sie sich auch ganz bewusst auf den Anfang vor. Wie werden Sie vor Ihr Publikum treten? Wie ist der Raum beschaffen? Stehen Sie ebenerdig zu den Zuhörern oder erhöht? Benutzen Sie ein Mikrofon? Wie ist die Akustik?

Besprechen Sie mit der Moderatorin/dem Moderator der Veranstaltung, wie Sie angekündigt werden wollen. Enie Anmoderation sollte keine umfassenden Inforamtionen zu Ihrer Person oder zu Ihren Verdiensten enthalten, das wird beim Publikum ehe als nervtötend empfunden. Die Anmoderation soll auf Sie und Ihre Botschaft neugierig machen – mit einem oder zwei inspirierenden Sätzen und beispielsweise dem Titel Ihres Vortrages. Es versteht sich von selbst, dass Sie nicht das wiederholen, was in der Anmoderation gesagt wurde, sondern inhaltlich daran anschließen.

Wenn Sie so vorbereitet auf die Bühne treten – atmen Sie durch, vergewissern Sie sich der allgemeinen Aufmerksamkeit – und fangen Sie an.

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